
**Die Geschichte der Islamischen Republik ist nicht nur von politischer Verfolgung und Gewalt innerhalb Irans geprägt. Das Regime hat politische Gegner, Dissidenten und Kritiker auch außerhalb des Landes verfolgen, entführen und ermorden lassen – darunter in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Diese staatlich organisierte Gewalt wird deshalb zu Recht als Staatsterrorismus bezeichnet.** [1][2]
## Politische Morde außerhalb Irans
Bereits seit den ersten Jahren nach der Islamischen Revolution von 1979 wurden iranische Oppositionelle auch im Ausland Opfer von Attentaten. Besonders in den 1990er Jahren kam es zu einer Reihe politischer Morde in Europa und anderen Ländern. Menschenrechtsorganisationen und westliche Regierungen dokumentierten zahlreiche Fälle, bei denen es starke Hinweise auf eine Beteiligung iranischer staatlicher Stellen gab. Das US-Außenministerium berichtete beispielsweise von mindestens 13 iranischen Dissidentenmorden allein im Jahr 1997. [2][3]
Zu den bekanntesten Opfern gehörte **Schapur Bachtiar**, der letzte Premierminister Irans vor der Islamischen Revolution. Er wurde am 6. August 1991 gemeinsam mit seinem Sekretär Soroush Katibeh in seinem Haus bei Paris ermordet. Einer der Täter wurde in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt; weitere Täter konnten in den Iran fliehen. [1][4]
Zu den frühen Opfern des staatlichen Terrors der Islamischen Republik gehörte **Schahriar Schafik**, ein Offizier der kaiserlichen iranischen Marine und Sohn von Prinzessin Ashraf Pahlavi. Nach der Revolution von 1979 setzte er seinen Widerstand gegen das neue Regime im Exil fort. Am 7. Dezember 1979 wurde er vor seinem Wohnhaus in Paris erschossen. Sein Tod gilt als eines der ersten bekannten Attentate der Islamischen Republik auf einen politischen Gegner im Ausland und zeigte bereits wenige Monate nach der Revolution, dass sich die politische Gewalt des Regimes nicht auf die Grenzen Irans beschränken würde. [1][5]
Auch der bekannte iranische Künstler **Fereydoun Farrokhzad**, der in Deutschland lebte und sich öffentlich gegen die Islamische Republik und Chomeini ausgesprochen hatte, wurde am 31. Juli 1992 in seiner Wohnung in Bonn auf brutale Weise ermordet. [1][6]
Im Jahr 2025 erklärte der ehemalige hochrangige Kommandeur und erste Minister der Revolutionsgarden (IRGC), Mohsen Rafighdoost, öffentlich, dass er die Ermordung Farrokhzads sowie die Attentate auf Schapur Bachtiar und Schahriar Schafik angeordnet habe. Seine Aussagen enthalten konkrete Angaben zur Durchführung und Finanzierung dieser Operationen. Damit gibt es neben den seit Jahren bestehenden Hinweisen auf eine Beteiligung iranischer staatlicher Stellen inzwischen auch das öffentliche Geständnis eines ehemaligen hochrangigen IRGC-Verantwortlichen. [6]
## Das Mykonos-Attentat in Berlin
Der bekannteste Fall in Deutschland ist das **Mykonos-Attentat** vom 17. September 1992. In einem Berliner Restaurant wurden die kurdisch-iranischen Oppositionellen Sadegh Sharafkandi, Fattah Abdoli und Homayoun Ardalan sowie ihr Übersetzer Nouri Dehkordi erschossen. [1][2]
Nach einem mehrjährigen Verfahren stellte das Berliner Kammergericht am 10. April 1997 fest, dass der Anschlag von iranischen staatlichen Stellen in Auftrag gegeben worden war. Das Gericht sah die Verantwortung nicht lediglich bei einzelnen Geheimdienstmitarbeitern, sondern bei der politischen Führung der Islamischen Republik. Damit wurde der Anschlag von einem deutschen Gericht als staatlich verantworteter politischer Mord eingeordnet und als **Staatsterrorismus** bezeichnet. [1][2]
Das Urteil hatte erhebliche politische Folgen. Die bis dahin betriebene europäische Politik des sogenannten **„kritischen Dialogs“ mit Iran wurde zunächst ausgesetzt**. Deutschland und mehrere europäische Staaten riefen ihre Botschafter aus Teheran zurück, offizielle hochrangige Besuche wurden ausgesetzt und die EU beschloss weitere Einschränkungen gegenüber iranischen Funktionären. [2]
Diese Konsequenzen waren jedoch nicht von Dauer. Bereits im November 1997 kehrten die Botschafter nach Teheran und in die europäischen Hauptstädte zurück. Mit der Wahl Mohammad Chatamis im Mai 1997 setzte zudem eine schrittweise diplomatische Annäherung ein. 1998 wurden die offiziellen Konsultationen zwischen der EU und Iran wieder aufgenommen, und der frühere „kritische Dialog“ ging in einen umfassenderen politischen Dialog über. [2]
Damit zeigt der Fall Mykonos auch ein wiederkehrendes Muster in den Beziehungen zu Iran: Ein deutsches Gericht stellte die staatliche Verantwortung für einen politischen Mord eindeutig fest, woraufhin politische Konsequenzen folgten – diese wurden jedoch innerhalb weniger Monate und Jahre schrittweise wieder zurückgenommen. Die juristische Feststellung blieb bestehen, während die außenpolitische Reaktion zunehmend wieder von wirtschaftlichen und politischen Interessen geprägt wurde. [2]
## Die Kettenmorde im Iran
Die politische Gewalt und Terroranschläge der Islamischen Republik richteten sich jedoch nicht nur gegen Oppositionelle im Ausland. In den 1990er Jahren wurden im Iran zahlreiche kritische Intellektuelle, Schriftsteller, Künstler und politische Gegner verfolgt und ermordet. Diese Serie von Morden wurde als **„Kettenmorde“ (قتلهای زنجیرهای)** bekannt. [3]
1998 wurden unter anderem die Schriftsteller und Intellektuellen Dariush Forouhar, Parvaneh Forouhar, Mohammad Mokhtari und Mohammad-Jaafar Pouyandeh ermordet. Eine Untersuchung des iranischen Geheimdienstes ergab schließlich, dass Mitarbeiter des Ministeriums für Nachrichtendienste an den Morden beteiligt waren. Die vollständige politische Verantwortung und die Frage, wer die tatsächlichen Auftraggeber waren, wurden jedoch nie transparent aufgeklärt. [3]
Der damalige stellvertretende Geheimdienstminister **Mostafa Pourmohammadi** wird häufig im Zusammenhang mit dem politischen Umfeld dieser Verbrechen genannt. Die Verantwortung sollte jedoch nicht auf einzelne ausführende Personen reduziert werden. Entscheidend ist, dass die Morde in einem staatlichen Sicherheits- und Geheimdienstapparat stattfanden und dass eine umfassende Aufklärung der politischen Befehlskette bis heute aussteht. [3]
## Ein Muster staatlicher Gewalt
Die verschiedenen Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster: Oppositionelle wurden nicht nur innerhalb Irans verfolgt, sondern konnten sich auch im europäischen Exil nicht unbedingt in Sicherheit wiegen. Menschen wurden überwacht, bedroht, entführt und ermordet. [1][3]
### Sources
[1] **Bundeszentrale für politische Bildung – Irans Opposition im Exil**
https://www.bpb.de/themen/naher-mittlerer-osten/iran/578600/irans-opposition-im-exil-organisation-gruppen-einfluss/
[2] **Deutschlandfunk – Mykonos-Prozess**
https://www.deutschlandfunk.de/vor-25-jahren-urteil-im-mykonos-prozess-100.html
[3] **Bundeszentrale für politische Bildung – Geschichte Irans**
https://www.bpb.de/themen/naher-mittlerer-osten/iran/40220/die-geschichte-irans-1941-bis-2020/
[4] **U.S. State Department – Patterns of Global Terrorism 1997**
https://www.refworld.org/reference/annualreport/usdos/1998/44421
[5] **Human Rights Watch – Iran, 1994 report**
https://www.refworld.org/reference/annualreport/hrw/1994/93555
[6] **IranWire – Former IRGC Minister Admits to Directing International Assassinations**
https://iranwire.com/en/politics/139765-former-irgc-minister-admits-to-directing-international-assassinations/
einer Wohnung in Bonn auf brutale Weise ermordet.
Im Jahr 2025 erklärte der ehemalige hochrangige Kommandeur und erste Minister der Revolutionsgarden (IRGC), Mohsen Rafighdoost, öffentlich, dass er die Ermordung Farrokhzads sowie die Attentate auf Schapur Bachtiar und Schahriar Schafik angeordnet habe. Seine Aussagen enthalten konkrete Angaben zur Durchführung und Finanzierung dieser Operationen. Damit gibt es neben den seit Jahren bestehenden Hinweisen auf eine Beteiligung iranischer staatlicher Stellen inzwischen auch das öffentliche Geständnis eines ehemaligen hochrangigen IRGC-Verantwortlichen. source
Das Mykonos-Attentat in Berlin
Der bekannteste Fall in Deutschland ist das Mykonos-Attentat vom 17. September 1992. In einem Berliner Restaurant wurden die kurdisch-iranischen Oppositionellen Sadegh Sharafkandi, Fattah Abdoli und Homayoun Ardalan sowie ihr Übersetzer Nouri Dehkordi erschossen.
Nach einem mehrjährigen Verfahren stellte das Berliner Kammergericht am 10. April 1997 fest, dass der Anschlag von iranischen staatlichen Stellen in Auftrag gegeben worden war. Das Gericht sah die Verantwortung nicht lediglich bei einzelnen Geheimdienstmitarbeitern, sondern bei der politischen Führung der Islamischen Republik. Damit wurde der Anschlag von einem deutschen Gericht als staatlich verantworteter politischer Mord eingeordnet und als Staatsterrorismus bezeichnet.
Das Urteil hatte erhebliche politische Folgen. Die bis dahin betriebene europäische Politik des sogenannten „kritischen Dialogs“ mit Iran wurde zunächst ausgesetzt. Deutschland und mehrere europäische Staaten riefen ihre Botschafter aus Teheran zurück, offizielle hochrangige Besuche wurden ausgesetzt und die EU beschloss weitere Einschränkungen gegenüber iranischen Funktionären.
Diese Konsequenzen waren jedoch nicht von Dauer. Bereits im November 1997 kehrten die Botschafter nach Teheran und in die europäischen Hauptstädte zurück. Mit der Wahl Mohammad Chatamis im Mai 1997 setzte zudem eine schrittweise diplomatische Annäherung ein. 1998 wurden die offiziellen Konsultationen zwischen der EU und Iran wieder aufgenommen, und der frühere „kritische Dialog“ ging in einen umfassenderen politischen Dialog über.
Damit zeigt der Fall Mykonos auch ein wiederkehrendes Muster in den Beziehungen zu Iran: Ein deutsches Gericht stellte die staatliche Verantwortung für einen politischen Mord eindeutig fest, woraufhin politische Konsequenzen folgten – diese wurden jedoch innerhalb weniger Monate und Jahre schrittweise wieder zurückgenommen. Die juristische Feststellung blieb bestehen, während die außenpolitische Reaktion zunehmend wieder von wirtschaftlichen und politischen Interessen geprägt wurde.
Die Kettenmorde im Iran
Die politische Gewalt und Terroranschläge der Islamischen Republik richteten sich jedoch nicht nur gegen Oppositionelle im Ausland. In den 1990er Jahren wurden im Iran zahlreiche kritische Intellektuelle, Schriftsteller, Künstler und politische Gegner verfolgt und ermordet. Diese Serie von Morden wurde als „Kettenmorde“ (قتلهای زنجیرهای) bekannt.
1998 wurden unter anderem die Schriftsteller und Intellektuellen Dariush Forouhar, Parvaneh Forouhar, Mohammad Mokhtari und Mohammad-Jaafar Pouyandeh ermordet. Eine Untersuchung des iranischen Geheimdienstes ergab schließlich, dass Mitarbeiter des Ministeriums für Nachrichtendienste an den Morden beteiligt waren. Die vollständige politische Verantwortung und die Frage, wer die tatsächlichen Auftraggeber waren, wurden jedoch nie transparent aufgeklärt.
Der damalige stellvertretende Geheimdienstminister Mostafa Pourmohammadi wird häufig im Zusammenhang mit dem politischen Umfeld dieser Verbrechen genannt. Die Verantwortung sollte jedoch nicht auf einzelne ausführende Personen reduziert werden. Entscheidend ist, dass die Morde in einem staatlichen Sicherheits- und Geheimdienstapparat stattfanden und dass eine umfassende Aufklärung der politischen Befehlskette bis heute aussteht.
Ein Muster staatlicher Gewalt
Die verschiedenen Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster: Oppositionelle wurden nicht nur innerhalb Irans verfolgt, sondern konnten sich auch im europäischen Exil nicht unbedingt in Sicherheit wiegen. Menschen wurden überwacht, bedroht, entführt und ermordet.
Sources
Bundeszentrale für politische Bildung – Irans Opposition im Exil — particularly useful because it is German and explicitly discusses the Mykonos assassination.
Deutschlandfunk – Mykonos-Prozess — excellent German-language explanation of the court case.
Bundeszentrale für politische Bildung – Geschichte Irans — concise background on the chain murders.
U.S. State Department – Patterns of Global Terrorism 1997 — contemporary documentation of Iranian assassinations abroad.
Human Rights Watch – Iran, 1994 report — contemporary documentation of assassinations and suspected Iranian state involvement.
