Geschrieben im April 2026, aktualisiert im Mai 2026 – Ahmad Asli
Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran ist das Ergebnis eines gescheiterten Managements einer komplexen Beziehung aus Rivalität, Konflikt und gemeinsamen Interessen. Dieser Konflikt ist – entgegen ideologischer Vorstellungen – kein Nullsummenspiel (zero sum game), sondern ein Spiel mit variabler Summe (variable sum game), in dem Verhandeln und eine Einigung möglich sind. Die Fortsetzung des Krieges in dieser Phase (dieser Text wurde im Monat Farvardin [März/April] verfasst, seine Aussage gilt aber weiterhin im Monat Tir [Juni/Juli]) schafft keinen neuen Druckhebel gegenüber der Gegenseite mehr, sondern führt lediglich zu menschlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Schäden sowie zur Verschwendung von Ressourcen. Die Annahme eines Friedensabkommens ist daher in dieser Phase kein Zeichen von Schwäche für die beteiligten Seiten, sondern eine rationale Entscheidung zur Wahrung der nationalen Interessen Irans, der internationalen Interessen der Vereinigten Staaten und zur Verhinderung einer weiteren Eskalation der Krise.
Dieser Krieg begann mit Überraschung und schrecklichen Verlusten, doch seine Wurzeln reichen Jahre zurück. Bevor die ersten Raketen abgefeuert wurden, hatten sich jahrelang Misstrauen, Sicherheitsrivalität, diplomatische Krisen und politische Fehlkalkulationen angehäuft. Kriege sind seltener das Ergebnis einer plötzlichen Entscheidung als vielmehr das Resultat eines langen Eskalationsprozesses, in dem sich eine Tür der Verständigung nach der anderen schließt, bis schließlich die Logik der Gewaltanwendung die Logik des Dialogs ersetzt. Das Verständnis der Gründe für den Beginn eines verheerenden Krieges im Iran (oder in der Ukraine, in Gaza oder im Sudan) kann zudem helfen, die Faktoren und Prozesse zu identifizieren, die zu seiner Beendigung führen. Das eigentliche Anliegen ist die Untersuchung der Möglichkeit und des Weges zu einem dauerhaften und gerechten Frieden.
Die Werke von Experten wie Schelling (The Strategy of Conflict), Fearon (Rationalist Explanations for War), Levy und Goertz (Explaining War and Peace) und Stoessinger (Why Nations Go to War) zeigen, dass Krieg nicht bloß als militärische Auseinandersetzung zwischen Armeen verstanden werden darf. Krieg ist vielmehr die Fortsetzung der Politik mit gewaltsamen Mitteln, und seine Wurzeln liegen in der Struktur des internationalen Systems, in Sicherheitsrivalitäten und in politischen Entscheidungen der Staaten. Das internationale System ist eine Art Anarchie, da es keine Hierarchie zwischen den Staaten gibt und keine überstaatliche Macht existiert, die die Einhaltung von Verpflichtungen, die Umsetzung von Verträgen und die Durchsetzung rechtlicher Verpflichtungen garantieren könnte. Die Verteilung natürlicher und wirtschaftlicher Ressourcen, von Macht, Sicherheit und Einfluss zwischen den Nationen ist jedoch ungleich, was den Nährboden für Sicherheitsrivalität schafft. Die Stärkung militärischer Macht oder die Entwicklung von Verteidigungstechnologien kann von anderen als Bedrohung wahrgenommen werden. Dieses Misstrauen erzeugt ein sogenanntes „Sicherheitsdilemma“, das heißt eine Zunahme von Spannungen selbst ohne aggressive Absicht. Diplomatie, Sanktionen, militärische Drohungen und Abschreckung sind Instrumente, die Staaten nutzen, um ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Krieg entsteht, wenn dieser Verhandlungsprozess in eine Sackgasse gerät und alle Seiten enttäuscht.
Militärische Macht dient nicht nur dem Kämpfen, sondern ist auch ein Instrument für Verhandlung und Abschreckung, mit dem Staaten versuchen, die Gegenseite zum Rückzug, zur Verhaltensänderung oder zum Verzicht auf Zugeständnisse zu zwingen. Kriege sind daher nicht das Ergebnis eines Kriegswillens, sondern entstehen aus angespannten Verhandlungen und Abschreckungsspielen. Dies kann jedoch zu einer gefährlichen Lage führen: einer aggressiven Politik, bei der jede Seite versucht, die andere abzuschrecken, während die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Krieges steigt. Jede Seite treibt die Krise, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, an den Rand des Krieges, ohne dies eigentlich zu beabsichtigen. Diese Strategie ist mit erheblichem Risiko behaftet, denn das Zurschaustellen von Entschlossenheit und Willen kann außer Kontrolle geraten.
Zwischen Staaten sind Entscheidungen voneinander abhängig, und Interessen können sowohl gegensätzlich als auch gemeinsam sein. Konflikt und gemeinsame Interessen sind fast immer miteinander verwoben. Sieg bedeutet nicht, die Gegenseite zu besiegen, sondern die eigene Lage zu verbessern – was häufig Verhandlungen erfordert. Zwischen rationalen Akteuren sind Konflikte keine Nullsummenspiele, sondern gemischte Spiele mit variabler Summe. Im Fall des Iran waren jahrelange Drohungen, Abschreckung, begrenzte Auseinandersetzungen und Stellvertreterkriege auf beiden Seiten tatsächlich Teil dieses Spiels, ohne dass die Parteien in einen totalen Krieg gerieten.
Die Angriffe, die im Monat Esfand [Februar/März] begannen und als Fortsetzung der Angriffe des vergangenen Sommers zu verstehen sind, zielten darauf ab, Stärke und die Glaubwürdigkeit von Drohungen zu demonstrieren und neue „rote Linien“ für den Iran festzulegen. Bis zum Kriegsbeginn versuchte jede Seite, die andere einzudämmen, doch jede Eskalationsrunde erhöhte das Risikoniveau, die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls und den Bedarf an einer harten Reaktion. In einer Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens und der Angst vor einem „Erstschlag“ kamen Israel und die Vereinigten Staaten zu dem Schluss, dass sie, sollten sie nicht präventiv handeln, künftig einem stärkeren und mutigeren Iran gegenüberstehen würden. Was als Abschreckungsmittel für beide Seiten gedacht war, verwandelte sich stattdessen in einen realen Krieg. Die anfängliche gegenseitige Angst vor einem Erstschlag hat in einer Atmosphäre des Misstrauens den Anreiz zu präventivem Handeln verstärkt und aggressives Verhalten als rational erscheinen lassen. Das Fehlen stabiler Mechanismen zur Abschreckung und Rüstungskontrolle sowie das Fehlen einer gemeinsamen Definition von „Eindämmung“ ließen jeden Zyklus aus Aktion und Reaktion einen Schritt näher an den Krieg heranrücken. Dieser Krieg ist nicht nur ein Scheitern der Abschreckung, sondern auch ein Scheitern im Umgang mit einer komplexen Beziehung aus Konflikt und gemeinsamen Interessen. Mehrere zentrale Mechanismen führten zu diesem Ergebnis:
• Übermäßige und öffentliche Festlegungen der Führungsfiguren aller Seiten schränkten die Möglichkeit eines Rückzugs ein und drängten die Führer eher zu militärischen Reaktionen als zur Suche nach Lösungen – ein Umstand, der beispielsweise auch von Emmanuel Macron kritisiert wurde.
• Eine Asymmetrie in der Risikowahrnehmung und der Glaubwürdigkeit von Drohungen führte dazu, dass die Drohungen der Gegenseite ignoriert wurden und beide Seiten zu drastischen Maßnahmen griffen, um ihren Ernst zu beweisen.
• Die Dynamik der „Risikoerhöhung“ steigerte die Wahrscheinlichkeit von Fehlkalkulationen und ungewollter Eskalation.
• Der Zusammenbruch der Kommunikationskanäle und die implizite Begrenzung des Krieges spielten eine wichtige Rolle bei seiner Eskalation und führten zur Verletzung ungeschriebener roter Linien. Handlungen wurden im schlechtestmöglichen Sinne interpretiert und wurden zum Grundstein für eine weitere Zuspitzung der Spannungen.
Vor einem Jahr war die Beziehung zwischen den USA und dem Iran aufgrund gemeinsamer Interessen und der Konflikte, die als Verhandlungsmasse genutzt wurden, ein Spiel mit Wahlmöglichkeiten. Eine Einigung erschien im Vergleich zum Krieg für beide Seiten als die bessere Lösung (eine Win-win-Situation). „Gewinnen“ bedeutete für jede Seite etwas anderes, und die beiden Regierungen befanden sich seit Jahrzehnten in einem Verhandlungsprozess. Das Ziel dieser Verhandlungen war es, zu einem Zustand zu gelangen, der für beide Seiten besser ist – so wie es beim Atomabkommen (JCPOA) sowie bei den amerikanischen Angriffen gegen die Taliban und im Irak zu Zeiten Saddams gelungen war. Angesichts der menschlichen, finanziellen und moralischen Kosten des Krieges gebietet die Vernunft, dass Staaten durch Verhandlungen zu einer Einigung gelangen und Krieg vermeiden, sofern nicht Umstände vorliegen, unter denen der Kriegseintritt eine rationale Entscheidung darstellt. Angesichts der Kosten muss es eine Einigung geben, die für beide Seiten besser ist. Das Eintreten eines Krieges bedeutet, dass der Verhandlungsprozess zwischen den Regierungen gescheitert ist. Wie kam es dazu?
Netanjahus Bemühen, den Iran als existenzielle Bedrohung darzustellen und jeden iranischen Erfolg als Niederlage für Israel zu betrachten, ist ein langjähriger Versuch, die Vereinigten Staaten davon zu überzeugen, dass Verhandlungen mit dem Iran (für die USA) nicht zu einem Gewinn führen würden. Es war ein Versuch, das Nullsummenspiel zwischen Israel und dem Iran auf das Spiel mit variabler Summe zwischen den USA und dem Iran zu übertragen. Bei solchen Entscheidungen spielt die tatsächliche Realität nicht notwendigerweise die entscheidende Rolle. Die Einschätzung des US-Geheimdienstapparats zum iranischen Programm wich von den politischen Positionen der US-Regierung ab, insbesondere nach den Angriffen vom Juni 2025. Drei Faktoren waren für das Scheitern der langfristigen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verantwortlich:
1. Staaten verfügen nicht über präzise Informationen zu den Fähigkeiten und Absichten der Gegenseite. Diese Unsicherheit führt zu Fehlkalkulationen und gefährlichen Entscheidungen.
2. Selbst wenn beide Seiten zu einer Verständigung gelangen, können sie künftig an der Verpflichtung der Gegenseite zweifeln (ein Grund für das Scheitern des JCPOA). In einem anarchischen internationalen System kann ein Staat, der glaubt, dass sein Rivale in Zukunft mächtiger wird und diese Risiken inakzeptabel sind, es vorziehen, früher in den Krieg zu ziehen, statt später einen ungünstigen Frieden akzeptieren zu müssen.
3. Manche Themen – wie Unabhängigkeit, Einflusssphäre, existenzielle Bedrohungen, Sicherheit oder nationale Souveränität – werden so definiert, dass Kompromisse darüber schwierig werden.
Trotz jahrelanger angespannter Beziehungen, selbst nach Trumps Austritt aus dem JCPOA, war es beiden Seiten gelungen, einen totalen Krieg zu verhindern. Dies geschah trotz Informationsasymmetrie, Misstrauen gegenüber Zusagen und nationalen Sicherheitsbedenken. Doch in den Verhandlungen von 2025, als der Iran sich weigerte, die Urananreicherung einzustellen, gelang es Israel, seine Sorge um eine existenzielle Bedrohung (ein Nullsummenspiel) in den amerikanischen Entscheidungsrahmen (der ursprünglich ein Spiel mit variabler Summe war) zu übertragen. Die Vereinigten Staaten kamen zu dem Schluss, dass der Iran eine Bedrohung darstellt und seine künftige Eindämmung schwieriger werden würde. Die Erfahrung mit Nordkorea diente dabei als Argument. Es gibt keine Garantie, dass sich Staaten an Vereinbarungen halten, und ein Kriegseintritt erschien rationaler als das Abwarten einer Zukunft, in der der Iran möglicherweise nuklear bewaffnet sein könnte. Dies ist die Logik des Präventivkriegs.
Der US-Präsident behauptete 2025, der Iran stehe kurz vor dem Erwerb von Atomwaffen, und er habe diese Gefahr beseitigt – doch welche rationale Rechtfertigung lässt sich für den jüngsten Krieg denken, in dem eine solche Gefahr gar nicht bestand?
Beim gegenwärtigen Konflikt fällt eine rationale Erklärung angesichts des Fehlens einer unmittelbaren nuklearen Bedrohung schwer. Die Vereinigten Staaten kamen zu dem Schluss, dass der Iran seine militärische Macht weiter ausbaut und dass kein verlässlicher Mechanismus existiert, um ihn künftig einzudämmen. Der Krieg lässt sich daher – im Hinblick auf Informationsasymmetrie und das Verpflichtungsproblem – nicht nur im nuklearen Bereich, sondern auch auf der breiteren Ebene des Machtgleichgewichts interpretieren.
Auch Entscheidungen politischer Führer können eine Rolle spielen. Netanjahus Forderung nach einem amerikanischen Krieg gegen den Iran reicht Jahre zurück, doch selbst während Trumps erster Amtszeit kam es nicht dazu. Viele Kriege begannen mit Missverständnissen und Wahrnehmungsfehlern von Führungspersönlichkeiten, die den Gegner unterschätzten, dessen Reaktion falsch vorhersagten oder annahmen, es werde sich um eine kurze, begrenzte Aktion handeln. Die Realität auf dem Schlachtfeld weicht häufig von den Prognosen ab, und genau solche Fehlkalkulationen verwandeln Konflikte in Krisen.
Das Maß an Misstrauen zwischen der jüdischen Republik Israel und der Islamischen Republik Iran sowie der zunehmende Wettbewerb um die Ausweitung von Einfluss und Abschreckung haben zu wachsenden Spannungen und einer Verschärfung des Misstrauenszyklus geführt, der eine notwendige Bedingung für Krieg darstellt. Ohne den Gaza-Krieg, die israelischen Bemühungen zur Zerschlagung der palästinensischen und libanesischen Verbündeten des Regimes, die Tötung von Hamas-Führern in Teheran sowie die Tötung von Kommandeuren der Revolutionsgarden und der Hisbollah wären die notwendigen Bedingungen für einen Krieg jedoch nicht gegeben gewesen.
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Effektive Diplomatie beeinflusst die Wahrnehmung der Gegenseite hinsichtlich Bedrohung und Zusagen bzw. der Einhaltung von Vereinbarungen und Verträgen und wirkt sich damit auf das Fortbestehen des Friedens oder den Ausbruch von Krieg aus. Hätte der Iran einen leistungsfähigeren diplomatischen Apparat gehabt, hätte er eine wirksamere Rolle bei der Kriegsverhinderung spielen können. Diplomatie bedeutet im Kern die Übermittlung glaubwürdiger Signale über Absichten, rote Linien und Verpflichtungen eines Staates. Sind diese Signale unklar oder stehen sie im Widerspruch zum tatsächlichen Verhalten, ignoriert die Gegenseite sie oder interpretiert sie falsch. Das eigentliche Problem ist nicht bloß diplomatische Schwäche, sondern das Scheitern daran, Glaubwürdigkeit zu schaffen bzw. Verpflichtungen glaubhaft erscheinen zu lassen. Die Zusage eines Staates, Spannungen abzubauen, ist wirkungslos, solange die Gegenseite sie nicht glaubt (ein weiterer Grund für das Scheitern des JCPOA). Die iranische Diplomatie sah sich auf verschiedenen Ebenen zahlreichen Herausforderungen gegenüber:
• Signal-Inkohärenz: Stimmen offizielle Botschaften nicht mit dem tatsächlichen Verhalten und regionalen Handlungen überein, wird das Gesamtsignal unklar. Der Iran verfügt über eine offizielle Regierung und eine Schattenregierung (die Mafia der Revolutionsgarden und der herrschenden Geistlichkeit). Die offizielle Regierung leitete die diplomatischen Bemühungen, während die Schattenregierung regionale Stellvertreterkräfte unterstützte. Die amerikanischen Vertreter führten Verhandlungen, während das Militär ihres Landes gleichzeitig Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandte.
• Glaubwürdigkeitslücke: Selbst eine klare Botschaft wird ohne Verifikationsinstrumente oder eine Vertrauensbasis nicht ernst genommen.
• Bedrohungswahrnehmung: Trotz umfangreicher, vom Westen bereitgestellter Verteidigungsmechanismen nutzt Israel historische Ereignisse, um in jeder Phase eine existenzielle Bedrohung geltend zu machen, und hat diese Bedrohungswahrnehmung an die Vereinigten Staaten weitergegeben.
• Entscheidungsebene: die Wahl einer ideologischen Erzählung als Grundlage der Politikgestaltung, insbesondere im Iran.
Die Wahrnehmung einer Bedrohung wird nicht nur übermittelt, sondern auch konstruiert. Die Gegenseite ist nicht bloß Empfänger eines Signals, sondern dessen aktiver Interpret. Akteure können eine Bedrohung übertreiben oder neu definieren. Unabhängig davon, wie die Erzählung Israels oder des Iran lautet, wählen die Vereinigten Staaten eine bestimmte Interpretation, und diese Wahl beruht auf Interessen, Allianzen und Sicherheitswahrnehmungen. Die europäischen Verbündeten waren mit dem Krieg unzufrieden, da sie Netanjahus Erzählung von einer existenziellen Bedrohung nicht teilten und die militärische Option weder als einzige noch als beste Wahl betrachteten.
Zusammenfassend haben die widersprüchlichen Signale des Iran dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten das schlimmstmögliche Szenario in Betracht zogen. Die Glaubwürdigkeitslücke, das Fehlen von Verifikationsmechanismen und das gegenseitige Misstrauen haben zudem dazu geführt, dass echte Bemühungen nicht ernst genommen wurden. Israels Politik, den Iran als existenzielle Bedrohung neu zu definieren und diese Wahrnehmung an die Vereinigten Staaten weiterzugeben, war wirksam.
Die Logik des Waffenstillstands und der Kriegsbeendigung
Wenn anhaltender Krieg und Gewalt nicht nur keine neuen Vorteile mehr schaffen, sondern auch die vorhandenen Druckmittel zerstören, gebietet strategische Rationalität, das Spiel an einem Punkt zu beenden, an dem Verhandlungen noch möglich sind. In den frühen Phasen eines Krieges erfüllt Gewalt eine Funktion: die Schaffung oder Stärkung von Verhandlungsmacht, die Erhöhung der Kosten für die Gegenseite, die Verschiebung des Machtgleichgewichts und das Erzwingen von Zugeständnissen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ändert sich die Lage: zentrale Ziele werden erreicht oder erweisen sich als unerreichbar, die Kosten steigen, Ressourcen, Legitimität oder militärische Kapazität schwinden, und die vorhandenen Druckmittel werden aufgezehrt. Das Ziel anhaltender Gewalt ist nicht die vollständige Vernichtung, sondern eine Verhaltensänderung. Krieg ist somit ein Mittel der Verhandlung, kein Selbstzweck – und sein Wert liegt darin, die Gegenseite zu einer besseren Einigung zu bewegen. Hält übermäßige Gewalt zu lange an, hat die Gegenseite möglicherweise nichts mehr zu verlieren oder verfällt in die Logik des „Krieges bis zum bitteren Ende“. Der beste Zeitpunkt zum Innehalten ist jener, an dem beide Seiten noch „etwas zu verhandeln“ haben.
Nach Kriegsbeginn muss der Verhandlungsspielraum so schnell wie möglich neu definiert und der Verhandlungsprozess wieder aufgenommen werden. Jeder Krieg muss letztlich in irgendeiner Form einer Einigung enden. Doch je länger ein Krieg andauert, desto kleiner wird der Verhandlungsspielraum, und desto höher werden die Opportunitätskosten eines verzögerten Kriegsendes. Steigende Verluste und eine schwieriger werdende politische Verständigung führen zu sinkendem Vertrauen und einem enger werdenden Verhandlungsspielraum. Die Fortsetzung des Krieges kann dazu führen, dass eine heute mögliche Einigung morgen nicht mehr möglich ist. Es ist von großer Bedeutung, dass unmittelbar nach Kriegsbeginn Verhandlungen aufgenommen werden – und die Behauptungen des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, die iranischen Unterhändler hätten die USA hinters Licht geführt, zeugen von seinem Missverständnis hochrangiger Diplomatie.
Gewalt ist nützlich, solange sie lehrreich ist oder eine Botschaft übermittelt. Da die Botschaft nun übermittelt wurde, bedeutet die Fortsetzung des Krieges nur noch sinnloses Sterben und Zerstörung. Ist ein Punkt erreicht, an dem eine Einigung möglich ist, ist die Fortsetzung des Krieges unnötig und kostspielig. Iran und die Vereinigten Staaten haben große Teile ihrer Ziele erreicht. Beide verfügen nun über eine genauere Einschätzung der jeweiligen Fähigkeiten, der Bereitschaft zur Kooperation und der roten Linien der Gegenseite (eine geringere Informationsasymmetrie).
Die Islamische Republik Iran hat trotz erheblichen innenpolitischen Drucks nach der massenhaften Tötung von Demonstranten im Monat Dey [Dezember/Januar] des Vorjahres ihre Stabilität und Unnachgiebigkeit unter Beweis gestellt – selbst angesichts der Macht der Vereinigten Staaten und Israels. Sie ist zudem in der Lage, durch die Blockade von Schiffen und eine Regionalisierung des Krieges Druck auf die Weltwirtschaft auszuüben. Die Vereinigten Staaten haben gezeigt, dass sie zur Vernichtung der nuklearen und ballistischen Fähigkeiten des Iran nicht vor einer umfassenden Zerstörung der iranischen Infrastruktur und Wirtschaft zurückschrecken, und dass